How Breath-Control Can Change Your Life: A Systematic Review on Psycho-Physiological Correlates of Slow Breathing
Sept 7, 2018
Andrea Zaccaro et al.
Hintergrund: Die psychophysiologischen Veränderungen in der Interaktion zwischen Gehirn und Körper, die bei den meisten meditativen und entspannenden Praktiken beobachtet werden, beruhen auf einer willkürlichen Verlangsamung der Atemfrequenz. Die Identifizierung der Mechanismen, die die Atemkontrolle mit ihren psychophysiologischen Effekten verbinden, ist jedoch noch umstritten. Diese systematische Übersicht zielt darauf ab, die psychophysiologischen Mechanismen aufzudecken, die langsamen Atemtechniken (<10 Atemzüge/Minute) zugrunde liegen, sowie deren Auswirkungen auf gesunde Probanden.
Methoden: Es wurde eine systematische Suche in den Datenbanken MEDLINE und SCOPUS unter Verwendung von Schlüsselwörtern durchgeführt, die sich sowohl auf Atemtechniken als auch auf deren psychophysiologische Ergebnisse beziehen, wobei der Schwerpunkt auf dem Herz-Kreislauf- und dem zentralen Nervensystem lag. Aus einer Auswahl von 2.461 Abstracts erfüllten nur 15 Artikel die Einschlusskriterien und wurden in die Übersicht aufgenommen. Die vorliegende systematische Übersicht folgt den Leitlinien der Preferred Reporting Items for Systematic Reviews and Meta-Analyses (PRISMA).
Ergebnisse: Die Haupteffekte langsamer Atemtechniken umfassen Aktivitäten des autonomen und zentralen Nervensystems sowie den psychischen Zustand. Langsame Atemtechniken fördern autonome Veränderungen, die die Herzfrequenzvariabilität und die respiratorische Sinusarrhythmie erhöhen, begleitet von Veränderungen der Aktivität des zentralen Nervensystems (ZNS). EEG-Studien zeigen einen Anstieg der Alpha- und einen Rückgang der Theta-Aktivität. Anatomisch gesehen zeigt die einzige verfügbare fMRT-Studie eine erhöhte Aktivität in kortikalen (z. B. präfrontalen, motorischen und parietalen Kortex) und subkortikalen (z. B. Pons, Thalamus, subparabrachialer Kern, periaquäduktale Grauzone und Hypothalamus) Strukturen. Psychologische/verhaltensbezogene Ergebnisse im Zusammenhang mit den oben genannten Veränderungen sind gesteigerte Wohlbefinden, Entspannung, angenehme Gefühle, Vitalität und Wachsamkeit sowie verminderte Symptome von Erregung, Angst, Depression, Wut und Verwirrung.
Schlussfolgerungen: Langsame Atemtechniken wirken sich positiv auf die autonome, zerebrale und psychologische Flexibilität in einem Szenario gegenseitiger Wechselwirkungen aus: Wir fanden Hinweise auf Zusammenhänge zwischen parasympathischer Aktivität (erhöhte HRV und LF-Leistung), ZNS-Aktivitäten (erhöhte EEG-Alpha-Leistung und verringerte EEG-Theta-Leistung) im Zusammenhang mit emotionaler Kontrolle und psychischem Wohlbefinden bei gesunden Probanden. Unsere Hypothese berücksichtigt zwei verschiedene Mechanismen zur Erklärung der durch die willkürliche Kontrolle der langsamen Atmung hervorgerufenen psychophysiologischen Veränderungen: Der eine steht im Zusammenhang mit einer willkürlichen Regulierung der inneren Körperzustände (Enterorezeption), der andere mit der Rolle der Mechanorezeptoren im Nasenraum bei der Umwandlung der langsamen Atmung in eine Modulation der Aktivität des Riechkolbens, die wiederum die Aktivität der gesamten Hirnrinde reguliert.
